Die letzte Ruhestätte der Heimbacher Evangelischen

Von Walter Nehlich

 

Es ist immer wieder bedrückend, von geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen. Der letzte Gang zum Friedhof, Gottesacker, Kirchhof

ist einerseits der schwerste, andererseits auch der, welcher den Anteilnehmenden die Gedanken vom Alltag weg bringt und unvergesslich wird.

So ist es nicht erstaunlich, dass sich auch hier in Heimbach die Frage stellt, wie ist es um die Geschichte des evangelischen Friedhofes im

Heimbachtal steht. Dabei ist nur noch Wenigen bekannt, dass es sich hierbei (mindestens) um den zweiten Friedhof der Evangelischen

handelt. Vorab müsste eigentlich herausgefunden werden, wie lange es hier in Heimbach schon evangelische Christen gibt. Bekannt ist, dass

der evangelisch-reformierte Gemünder Pfarrer Heinrich Wilhelm Cramer ca. 1638 in Heimbach geboren wurde.[1] In dem (1618 beginnenden)

evangelisch-reformierten Kirchenbuch in Gemünd  ist als zweiter Taufeintrag die Taufe von Catarina, Tochter von Gerhardt Schor und Helma,

seiner Hausfrau Mitte Januar 1619 dokumentiert. Spätestens dann beginnt die evangelische Geschichte Heimbachs.

 

Der „alte“ evangelische Friedhof befand sich in unmittelbarer Nähe der katholischen Kirche und der Gaststätte „Zur Krone“, was nicht unwichtig ist. Das Niveau des Friedhofes muss ca. 1,20 m über dem der angrenzenden Gaststätte gewesen sein. In den Akten finden sich hierzu reichlich Vorgänge, die einerseits Klagen über den baulichen Zustand der Friedhofsmauer und den davon beeinträchtigten Fremdenverkehr nennen, andererseits auch das Bauen einer Gaststätte bemängeln. „Demgegenüber betone ich, dass die Friedhofanlage selbst einwandfrei gewesen ist. Sie ist älter als alle Gebäude ringsherum. Man würde nur nach heutigen Grundsätzen es nicht mehr zulassen dürfen, dass in solcher Nähe des Friedhofes eine Wirtschaft zum Schaden der Friedhofgemeinde gebaut werden kann. Ein schweres Versäumnis seitens der Polizeiverwaltung Heimbach ist es aber vor mehreren Jahrzehnten gewesen, dass sie den Bau einer Kegelbahn oberhalb des Friedhofes nicht verboten hat. In einer Zeit, in der nur ganz wenige Evangelische Einwohner in Heimbach wohnten, ist damals die pietätlose Beeinträchtigung des Friedhofes zum Schaden der Evangelischen Gemeinde zugelassen worden.... Sie trägt schwer an der Einengung des Friedhofes. Die Evangelische Gemeinde wird daher auch einer Schließung keinen Widerstand entgegen setzen, wenn die Gemeinde Heimbach ihr einen anderen würdigen Friedhof kostenlos zur Verfügung stellt.[2]  Einem Schreiben vom 30. Mai 1927 kann man entnehmen, dass ein kommunaler Friedhof angedacht wurde, was jedoch nicht im Interesse der katholischen Kirchengemeinde war. Zudem finden wir darin über die Zahl der evang. Gemeindeglieder: „...an die Gemeinde Heimbach..., in der z.Zt. nur 5 evangl. Familien mit 28 Personen ansässig sind, wozu noch 5 Familien kommen, die in Mischehe leben mit insgesamt 7 evangelischen Familienangehörigen, sodass insgesamt für 35 Personen eine Anlage geschaffen werden soll....Unter den Familien sind 4 Beamtenfamilien, die nicht mit Besitz angesessen sind und einer jederzeitigen Versetzung gewärtig sein müssen...“. Im übrigen folgt dann der Vorschlag durch Bürgermeister Deuser, dass sich die evang. Gemeinde mit der Gestellung des Grundstückes zufrieden geben möge und die Einrichtung usw. übernimmt. Zugleich weist er auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Gemeinde hin und darauf, dass die wenigen Evangelischen „zu den bestsituierten der Gemeinde“ zählen. Darauf hin hat der Presbyter Wilhelm Neuß im Auftrag der „evgl. Gemeinde Heimbach“ in einem Antrag vom 19.5.1927 die Nöte bei Beerdigungen dargestellt (Zuweg zu dem Friedhof ist so eingeengt, dass kaum noch ein Leichenzug durchkommt .... Lage des Friedhofes in einem geschlossenen Hofe einer Gastwirtschaft ....) und um die Bereitstellung eines Grundstückes ersucht. Wilh. Neuß war pikanter Weise Eigentümer des Hotels „Kölner Hof“. Am 6.6.1928 lädt Bürgermeister Deuser „Herrn Pfarrer Rocholl Hochwürden“ zu einer Besichtigung zweier ausfindig gemachter Parzellen ein. Am 18.9.1928 wird durch den Bürgermeister mitgeteilt, dass der Herr Kreismedizinalrat das Grundstück besichtigt und für seinen Zweck als tauglich erklärt hat. Damit war dieser Zwist vom Tisch.

Auf dem „neuen“ Friedhof, der seit ca. 20 Jahren im Eigentum der Stadt Heimbach ist, wird seit noch länger Zeit niemand mehr beerdigt. Die unten angeführte hohe Eiche steht immer noch (2005), vom Birkenkreuz existiert noch die Befestigung. Auch die Grabstätte des Wilhelm Neuß ist links hinten noch vorhanden, die Stadt Heimbach wünscht jedoch das Abräumen derselbigen. Zwei weitere Töchter des Wilhelm Neuß ruhen auf dem städtischen Waldfriedhof, die Zeit hat das damals Angestrebte gebracht. Die finanziellen Nöte der Kommune sind auch nicht verschwunden, sie haben sich nur modifiziert. Der erste Friedhof ist offensichtlich im Eigentum der katholischen Kirchengemeinde. Das Eingangstor des Friedhofes im Heimbachtal war so marode, dass es nicht erhalten werden konnte.

 

Die weiteren Informationen über Heimbachs Evangelische entnehme ich als Zitate aus  Gustav Adolf Rocholl: „Niedergang und Neuerstehen – Die letzten sechsundsechzig Jahre einer vierhundert Jahre alten evangelischen Diasporagemeinde der Nordeifel“  1953. Dabei habe ich alle Passagen über Heimbach angegeben, da sie das evangelische Leben insgesamt beschreiben. Das Schlusswort überlasse ich dem Verfasser Gustav Adolf Rocholl.

 

S.12    In Heimbach selbst haben von 1915 an regelmäßig im Haus und Gasthof der evangelischen Familie Neuss Weihnachtsgottesdienste mit liturgischer Feier stattgefunden. Für etwa zwei Stunden wurde die Gastwirtschaft für den allgemeinen Verkehr geschlossen. Mancher, der aus der Stadt kam, lernte zu ersten Mal kennen, wie in der Diaspora ein Haus zur Gottesdienststätte wird, wenn keine Kirche in der Nähe ist.

 

S.13    In Heimbach ging 1929 der lang ersehnte Wunsch nach einem kleinen evangelischen Friedhof in Erfüllung. Eine stille Stätte in wunderbarer Gebirgslandschaft am Heimbach wurde für den Friedhof gewählt....Zum ersten Male sang der Chor in Heimbach bei der feierlichen Übernahme des neuen Friedhofes und ein würdiger Aufgangsweg mit Brücke über den Heimbach war geschaffen worden.

 

S.18    Von großem Leid wurden die lieben evangelischen Heimbacher heimgesucht. Fünf Beerdigungen fanden in zwei Jahren auf dem neuen Friedhof statt. Wilhelm Neuß hatte lange vor 1929 sich für die Anlage unseres Friedhofes eingesetzt. Unter der mächtigen alten Eiche, die dem Friedhof  Schatten gibt, wollte er einst begraben werden. Neben ihm ruhten sehr bald schon zwei Töchter, die nach schwerem Leiden starben. Die Heimbacher Familien pflegten ihren Friedhof. Ein Kreuz aus Birkenholz ist das Wahrzeichen der Ruhestätte.

 

S. 34   (Nach dem 2. Weltkrieg) Die Heimbacher aber brachten ihre Opfer für die besonders großen Friedhofsnöte in Heimbach.

            Von Himmelfahrt 1947 an sind in Heimbach Gottesdienste für vier Feiertage im Jahr gehalten worden Zuerst waren sie in der Wohnung von Presbyter Polizeimeister i.R. Diedrich. Von Herrn und Frau Diedrich wurden sie sehr eingehend vorbereitet. Alle Evangelischen in Heimbach und viele Gemeindeglieder aus der weiten Umgebung kamen gerne zur Feierstunde. ..

 

S. 35   Am schwersten ist die Verwaltung und Pflege des alten evangelischen Friedhofes in Heimbach, auf dem seit 1930 keine Beerdigungen mehr stattfinden dürfen. Unser neuer Friedhof aber wird bei dem Wachstum des Heimbacher Gemeindebezirks zu klein. Diese Friedhöfe sind bisher das einzige Eigentum der Kirchengemeinde in Heimbach. ..... 

 

........Friedhöfe sind Weihestätten und für besondere Gottesdienste sehr geeignet. Sie weisen über die Zeitlichkeit hinaus und lenken unsere Augen zu Gott dem Herrn empor. Sie dienen dem inneren Aufbau der Herzen.

 

 

 

 

Archivalien:

           

a)     24.10.1922 Brief des Inhabers des Gasthofes Krone an die Polizeiverwaltung Heimbach

b)     2.12.1922 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl

c)      5.5.1926 Brief (offensichtlich) von der evang. Gemeinde an den Bürgermeister von Heimbach

d)     23.3.1927 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl

e)     30.5.1927 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an den Kirchenrat der evang. Gemeinde Heimbach

f)        19.5.1927 Brief von Presbyter Wilh. Neuß i.A.der evgl.Gemeinde Heimbach an den Heimbacher Bürgermeister Deuser

g)     6.6.1928 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl

h)      18.9.1928 Brief des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl

 

 

Das Eingangstor zum Friedhof im Heimbachtal am 21.5.1998

 

Das Tor war ursprünglich aus massivem Eichenholz gefertigt. Im Verlauf der Jahre hatte selbst dieses gelitten. Notdürftige Ausbesserungen bestanden aus dem Aufnageln von Nadelhölzern. Die ursprüngliche Idee, das Tor an der evangelischen Kirche in Heimbach als historisches Zeugnis anzubringen, musste wegen des maroden Zustandes aufgegeben werden, es existiert nicht mehr.

 

 

 

 

 

 

 

Der „alte evangelische Friedhof“ bei der St. Clemenskirche. Das Originalfoto ist im Besitz von Hartmut Wahl, Heimbach und wird im Archiv der Evang. Kirchengemeinde aufbewahrt.

 

 

Folgende Aufnahme des Friedhofes im Heimbachtal ist mit großer Wahrscheinlichkeit von Ludwig Bogerts aus Stromberg im Hunsrück gemacht worden. Sie findet sich in einem Zeichen des frühen Fremdenverkehrs in Heimbach, nämlich einem „als kleines, äußeres Zeichen des Dankes für liebevolle und freundliche Aufnahme vom 8.-12.9.1934“ überreichten Fotoalbum. Als Erläuterungstext finden wir „Gottesacker – Hier schlummern in Frieden dem Wiedersehen bei Gott entgegen Wilhelm Neuß und Tochter, Heimbach“

 

 

Hier möge man – wie im folgenden Bild - seine Aufmerksamkeit auch auf das „Drumrum“ legen – kein Haus weit und breit!

 

Grabstelle – nun mit Denkmal.

 

 

 

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[1] Johannes Wever „Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien“ Der Alte evangelische Friedhof in Gemünd (Eifel)....“  1997:   Die reformierte Gemeinde war besonders unter der Führung des Pfarrers Heinrich  Wilhelm Cramer12 gewachsen und gestärkt.  12 * ca. 1638 in Heimbach, Pfarrer in Gemünd ab 1662, † 12.06.1692.]

[2] Brief vom 5.5.1926 an den Bürgermeister