Von Walter Nehlich
Der „alte“ evangelische Friedhof befand sich in unmittelbarer Nähe der katholischen Kirche und der Gaststätte „Zur Krone“, was nicht unwichtig ist. Das Niveau des Friedhofes muss ca. 1,20 m über dem der angrenzenden Gaststätte gewesen sein. In den Akten finden sich hierzu reichlich Vorgänge, die einerseits Klagen über den baulichen Zustand der Friedhofsmauer und den davon beeinträchtigten Fremdenverkehr nennen, andererseits auch das Bauen einer Gaststätte bemängeln. „Demgegenüber betone ich, dass die Friedhofanlage selbst einwandfrei gewesen ist. Sie ist älter als alle Gebäude ringsherum. Man würde nur nach heutigen Grundsätzen es nicht mehr zulassen dürfen, dass in solcher Nähe des Friedhofes eine Wirtschaft zum Schaden der Friedhofgemeinde gebaut werden kann. Ein schweres Versäumnis seitens der Polizeiverwaltung Heimbach ist es aber vor mehreren Jahrzehnten gewesen, dass sie den Bau einer Kegelbahn oberhalb des Friedhofes nicht verboten hat. In einer Zeit, in der nur ganz wenige Evangelische Einwohner in Heimbach wohnten, ist damals die pietätlose Beeinträchtigung des Friedhofes zum Schaden der Evangelischen Gemeinde zugelassen worden.... Sie trägt schwer an der Einengung des Friedhofes. Die Evangelische Gemeinde wird daher auch einer Schließung keinen Widerstand entgegen setzen, wenn die Gemeinde Heimbach ihr einen anderen würdigen Friedhof kostenlos zur Verfügung stellt.[2]“ Einem Schreiben vom 30. Mai 1927 kann man entnehmen, dass ein kommunaler Friedhof angedacht wurde, was jedoch nicht im Interesse der katholischen Kirchengemeinde war. Zudem finden wir darin über die Zahl der evang. Gemeindeglieder: „...an die Gemeinde Heimbach..., in der z.Zt. nur 5 evangl. Familien mit 28 Personen ansässig sind, wozu noch 5 Familien kommen, die in Mischehe leben mit insgesamt 7 evangelischen Familienangehörigen, sodass insgesamt für 35 Personen eine Anlage geschaffen werden soll....Unter den Familien sind 4 Beamtenfamilien, die nicht mit Besitz angesessen sind und einer jederzeitigen Versetzung gewärtig sein müssen...“. Im übrigen folgt dann der Vorschlag durch Bürgermeister Deuser, dass sich die evang. Gemeinde mit der Gestellung des Grundstückes zufrieden geben möge und die Einrichtung usw. übernimmt. Zugleich weist er auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Gemeinde hin und darauf, dass die wenigen Evangelischen „zu den bestsituierten der Gemeinde“ zählen. Darauf hin hat der Presbyter Wilhelm Neuß im Auftrag der „evgl. Gemeinde Heimbach“ in einem Antrag vom 19.5.1927 die Nöte bei Beerdigungen dargestellt (Zuweg zu dem Friedhof ist so eingeengt, dass kaum noch ein Leichenzug durchkommt .... Lage des Friedhofes in einem geschlossenen Hofe einer Gastwirtschaft ....) und um die Bereitstellung eines Grundstückes ersucht. Wilh. Neuß war pikanter Weise Eigentümer des Hotels „Kölner Hof“. Am 6.6.1928 lädt Bürgermeister Deuser „Herrn Pfarrer Rocholl Hochwürden“ zu einer Besichtigung zweier ausfindig gemachter Parzellen ein. Am 18.9.1928 wird durch den Bürgermeister mitgeteilt, dass der Herr Kreismedizinalrat das Grundstück besichtigt und für seinen Zweck als tauglich erklärt hat. Damit war dieser Zwist vom Tisch.
Auf dem „neuen“
Friedhof, der seit ca. 20 Jahren im Eigentum der Stadt Heimbach ist, wird seit
noch länger Zeit niemand mehr beerdigt. Die unten angeführte hohe Eiche steht
immer noch (2005), vom Birkenkreuz existiert noch die Befestigung. Auch die
Grabstätte des Wilhelm Neuß ist links hinten noch vorhanden, die Stadt Heimbach
wünscht jedoch das Abräumen derselbigen. Zwei weitere Töchter des Wilhelm Neuß
ruhen auf dem städtischen Waldfriedhof, die Zeit hat das damals Angestrebte
gebracht. Die finanziellen Nöte der Kommune sind auch nicht verschwunden, sie
haben sich nur modifiziert. Der erste Friedhof ist offensichtlich im Eigentum
der katholischen Kirchengemeinde. Das Eingangstor des Friedhofes im Heimbachtal
war so marode, dass es nicht erhalten werden konnte.
Die weiteren
Informationen über Heimbachs Evangelische entnehme ich als Zitate aus Gustav Adolf Rocholl: „Niedergang und
Neuerstehen – Die letzten sechsundsechzig Jahre einer vierhundert Jahre alten
evangelischen Diasporagemeinde der Nordeifel“
1953. Dabei habe ich alle Passagen über Heimbach angegeben, da sie das
evangelische Leben insgesamt beschreiben. Das Schlusswort überlasse ich dem
Verfasser Gustav Adolf Rocholl.
S.12 In
Heimbach selbst haben von 1915 an regelmäßig im Haus und Gasthof der
evangelischen Familie Neuss Weihnachtsgottesdienste mit liturgischer Feier
stattgefunden. Für etwa zwei Stunden wurde die Gastwirtschaft für den
allgemeinen Verkehr geschlossen. Mancher, der aus der Stadt kam, lernte zu
ersten Mal kennen, wie in der Diaspora ein Haus zur Gottesdienststätte wird, wenn
keine Kirche in der Nähe ist.
S.13 In
Heimbach ging 1929 der lang ersehnte Wunsch nach einem kleinen evangelischen
Friedhof in Erfüllung. Eine stille Stätte in wunderbarer Gebirgslandschaft am
Heimbach wurde für den Friedhof gewählt....Zum ersten Male sang der Chor in
Heimbach bei der feierlichen Übernahme des neuen Friedhofes und ein würdiger
Aufgangsweg mit Brücke über den Heimbach war geschaffen worden.
S.18 Von
großem Leid wurden die lieben evangelischen Heimbacher heimgesucht. Fünf
Beerdigungen fanden in zwei Jahren auf dem neuen Friedhof statt. Wilhelm Neuß
hatte lange vor 1929 sich für die Anlage unseres Friedhofes eingesetzt. Unter
der mächtigen alten Eiche, die dem Friedhof
Schatten gibt, wollte er einst begraben werden. Neben ihm ruhten sehr bald
schon zwei Töchter, die nach schwerem Leiden starben. Die Heimbacher Familien
pflegten ihren Friedhof. Ein Kreuz aus Birkenholz ist das Wahrzeichen der
Ruhestätte.
S. 34 (Nach
dem 2. Weltkrieg) Die Heimbacher aber brachten ihre Opfer für die besonders großen
Friedhofsnöte in Heimbach.
Von
Himmelfahrt 1947 an sind in Heimbach Gottesdienste für vier Feiertage im Jahr
gehalten worden Zuerst waren sie in der Wohnung von Presbyter Polizeimeister
i.R. Diedrich. Von Herrn und Frau Diedrich wurden sie sehr eingehend
vorbereitet. Alle Evangelischen in Heimbach und viele Gemeindeglieder aus der
weiten Umgebung kamen gerne zur Feierstunde. ..
S. 35 Am schwersten ist die Verwaltung und Pflege
des alten evangelischen Friedhofes in Heimbach, auf dem seit 1930 keine Beerdigungen
mehr stattfinden dürfen. Unser neuer Friedhof aber wird bei dem Wachstum des
Heimbacher Gemeindebezirks zu klein. Diese Friedhöfe sind bisher das einzige
Eigentum der Kirchengemeinde in Heimbach. .....
........Friedhöfe sind Weihestätten und für besondere
Gottesdienste sehr geeignet. Sie weisen über die Zeitlichkeit hinaus und lenken
unsere Augen zu Gott dem Herrn empor. Sie dienen dem inneren Aufbau der Herzen.
Archivalien:
a)
24.10.1922 Brief
des Inhabers des Gasthofes Krone an die Polizeiverwaltung Heimbach
b)
2.12.1922 Brief
des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl
c)
5.5.1926 Brief
(offensichtlich) von der evang. Gemeinde an den Bürgermeister von Heimbach
d)
23.3.1927 Brief
des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl
e)
30.5.1927 Brief
des Heimbacher Bürgermeisters an den Kirchenrat der evang. Gemeinde Heimbach
f)
19.5.1927 Brief
von Presbyter Wilh. Neuß i.A.der evgl.Gemeinde Heimbach an den Heimbacher
Bürgermeister Deuser
g)
6.6.1928 Brief
des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl
h)
18.9.1928 Brief
des Heimbacher Bürgermeisters an Pfarrer Rocholl

Das Tor war
ursprünglich aus massivem Eichenholz gefertigt. Im Verlauf der Jahre hatte
selbst dieses gelitten. Notdürftige Ausbesserungen bestanden aus dem Aufnageln
von Nadelhölzern. Die ursprüngliche Idee, das Tor an der evangelischen Kirche
in Heimbach als historisches Zeugnis anzubringen, musste wegen des maroden
Zustandes aufgegeben werden, es existiert nicht mehr.
Der „alte
evangelische Friedhof“ bei der St. Clemenskirche. Das Originalfoto ist im
Besitz von Hartmut Wahl, Heimbach und wird im Archiv der Evang. Kirchengemeinde
aufbewahrt.

Folgende Aufnahme des
Friedhofes im Heimbachtal ist mit großer Wahrscheinlichkeit von Ludwig Bogerts
aus Stromberg im Hunsrück gemacht worden. Sie findet sich in einem Zeichen des
frühen Fremdenverkehrs in Heimbach, nämlich einem „als kleines, äußeres Zeichen
des Dankes für liebevolle und freundliche Aufnahme vom 8.-12.9.1934“ überreichten
Fotoalbum. Als Erläuterungstext finden wir „Gottesacker – Hier schlummern in
Frieden dem Wiedersehen bei Gott entgegen Wilhelm Neuß und Tochter, Heimbach“

Hier möge man – wie
im folgenden Bild - seine Aufmerksamkeit auch auf das „Drumrum“ legen – kein
Haus weit und breit!
Grabstelle – nun mit
Denkmal.

Alle Rechte
vorbehalten.
[1] Johannes Wever „Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien“ Der Alte evangelische Friedhof in Gemünd (Eifel)....“ 1997: Die reformierte Gemeinde war besonders unter der Führung des Pfarrers Heinrich Wilhelm Cramer12 gewachsen und gestärkt. 12 * ca. 1638 in Heimbach, Pfarrer in Gemünd ab 1662, † 12.06.1692.]
[2] Brief vom 5.5.1926 an den Bürgermeister